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21. September 2011
Druckknöpfe im Mund oder lieber Teleskopzähne?
Zahnärzte-Verein berät zu verschiedenen Implantat-Varianten

Dr. Ulrich Micheely, Dr. Alexander Doumat und Zahnarzt Franz Weimer (v. l.) tauschen sich regelmäßig mit den anderen RiZ-Mitgliedern aus – das kommt ihren Patienten wiederum in der Beratung zugute.
„Manche Patienten fragen, ob sie nicht zu alt seien für ein Zahn-Implantat“, sagt Dr. Ulrich Micheely, Mitglied im Verein Rheiner implantologisch tätiger Zahnärzte (RiZ), „dabei ist es vergleichbar mit einem neuen Hüftgelenk – und die bekommen heute reihenweise 80-Jährige.“ Implantate sind also keine Frage des Alters: Bei Kindern oder Jugendlichen werden sie manchmal genutzt, um die Wirkung einer Zahnspange überhaupt zu ermöglichen.

Implantate sind sehr vielseitig; ist die künstliche Wurzel erst einmal im Kiefer verschraubt, bietet die Plattform unterschiedliche Möglichkeiten, darauf einen festsitzenden oder heraus-nehmbaren Zahnersatz anzufertigen. Die Farbe der „Ersatzzähne“ kann heute an die individu-elle Färbung naturidentisch angepasst werden. Genau wie ein echter Zahn ist die moderne Keramik leicht durchscheinend. „Echt“ kann aber auch so aussehen: „Eine ältere Dame hatte ihr Leben lang einen Goldzahn“, erzählt Micheely, „als sie nun einen Zahnersatz bekommen sollte, haben wir ihr einen der Implantat-Zähne golden angemalt – keiner hat gemerkt, dass sie nicht mehr ihre eigenen Zähne hatte.“

In einem zahnlosen Mund braucht man in der Regel mindestens sechs bis acht Implantate jeweils im Ober- und Unterkiefer, darauf wird der Zahnersatz installiert. Die Implantate sind dabei Brückenpfeilern ähnlich, auf denen das Gebiss aufliegt. Es sitzt genauso fest wie davor die eigenen Zähne. Ist der Kieferknochen nicht stabil, breit oder dick genug, reicht er manch-mal nicht für die notwendige Anzahl an Implantaten für einen festsitzenden Zahnersatz aus; dann hilft ein herausnehmbarer weiter, denn der benötigt weniger Implantate. Reicht der Kno-chen nicht für ein festsitzendes Gebiss, kann er aber auch aufgebaut werden. Die chirurgi-schen Begleitmaßnahmen sind dabei natürlich aufwändiger.

Den herausnehmbaren Zahnersatz gibt es u.a. als Steg- oder als Teleskopkonstruktion. Beide werden auf die vorhandenen Implantate aufgesteckt und ermöglichen einen festen Biss. Das Teleskop hat dabei den Vorteil, dass man es erweitern kann: Hat der Patient zuerst eine Teil-prothese, fügt man bei weiterem Zahnverlust das nötige Stück Gebiss hinzu. „Das bewahrt uns davor, Zähne ziehen zu müssen, die noch in Ordnung sind, nur weil ein Zahnersatz her muss“, sagt Micheely, „denn das oberste Gebot ist für uns immer der Zahnerhalt.“

Die preisgünstigste, aber nicht ganz so stabile Ersatz-Zahnleiste wird wie mit Druckknöpfen auf den Implantaten befestigt – ohne Steg. Für diese Variante spricht manchmal neben dem Preis auch der fehlende Platz im Mund für eine andere Lösung.

Implantate entlasten die übrigen Zähne; das ist wichtig, denn: „Die Kiefermuskeln sind die stärksten im Körper, auf Zähne und Zahnersatz wirken extreme Kräfte“, erklärt RiZ-Mitglied Dr. Volker Goeke, „deswegen nutzen wir in der Regel Titan-Implantate, auch weil zu Titan bisher keine Allergien bekannt sind.“ Zwar können Implantate keine Karies bekommen, doch lagert sich an ihnen auch Zahnbelag ab. Deswegen müssen sie penibel gereinigt werden, sonst entzündet sich das Zahnfleisch rund um das Implantat – wie bei Zähnen auch.

Die Mitglieder des RiZ setzen auf eine umfassende Beratung. Normalerweise wird ein festsit-zendes Gebiss angestrebt, aber: „Wir drängen keinen Patienten zu einer Lösung, sondern klä-ren ihn über die unterschiedlichen Möglichkeiten auf“, betont Dr. Elisabeth Temmen-Tölle, ebenfalls vom RiZ. „Ist ein älterer Mensch z. B. manuell eingeschränkt, wird es ihm leichter fallen, einen herausnehmbaren Zahnersatz zu reinigen als einen festsitzenden. Die Hauptsache ist, dass er den Ersatz bekommt, für den er selbst sich entscheidet – andernfalls wird er sich mit ihm später nicht wohl fühlen.“