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13. März 2012
Sonderbehandlung fürs Zahnfleisch?
RiZ im Interview zu Parodontitis
Annegret Wildmanns* Haus-Zahnarzt hat bei ihr eine entzündliche Zahnfleischerkrankung (Parodontitis) diagnostiziert und überweist sie zum Parodontologen. Ihr Zahnarzt möchte nach diesem Besuch Implantate setzen und plant eine umfangreiche Versorgung mit Brücken und Kronen. Annegret Wildmann ist verunsichert: Warum soll denn nun auch noch ihr Zahnfleisch behandelt werden? Dr. Elisabeth Temmen-Tölle, Mitglied im Verein Rheiner implantologisch tätiger Zahnärzte (RiZ), kennt diese Verunsicherung von vielen ihrer Patienten und beantwortet im Interview häufig gestellte Fragen.

Frau Dr. Temmen-Tölle, der genannten Patientin werden mehrere Zähne gezogen und sie bekommt Implantate – warum ist eine Zahnfleischbehandlung zusätzlich erforderlich?
Stoppt man die Parodontitis rechtzeitig, bleiben noch möglichst viele eigene Zähne erhalten. Doch selbst wenn Implantate unumgänglich sind – eine unbehandelte Parodontitis kann auch denen schaden; das ist natürlich nicht im Sinne des Patienten.

Woher kommt Parodontitis denn eigentlich?
Bakterielle Beläge auf den Zähnen können sich in die Zahnfleischtaschen hineinschieben und bewirken dort die Entzündung. Diese Parodontitis führt unbehandelt zum Knochenabbau rund um die Zähne oder Implantate, sodass sie anfangen zu wackeln oder sogar ausfallen.

Helfen dagegen nicht regelmäßiges Putzen und die Prophylaxe beim Zahnarzt?
Manche Nischen im Mund sind sehr schwierig zu putzen. Die richtige Zahnputztechnik erreicht zwar auch diese schwer zugänglichen Stellen, kaum ein Patient aber schafft es, wirklich alle Beläge von den Zähnen zu entfernen. Dann muss der Zahnarzt helfen und diese Stellen reinigen. Wenn die Bakterien und die Entzündung aber bereits in der Zahnfleischtasche sind, reicht eine Zahnreinigung allein nicht mehr aus, um die Erkrankung zu stoppen.

Und dann ist eine Parodontitis-Behandlung erforderlich?
Genau. Die beginnt mit einer oder mehreren professionellen Zahnreinigungen: Der Patient lernt dabei eine gründliche und schonende Zahnputztechnik und übt sie unter Anleitung. Im nächsten Schritt werden dann die Zahnfleischtaschen unter örtlicher Betäubung gereinigt mit Ultraschall und Handinstrumenten; manchmal bekommt der Patient gleichzeitig Antibiotika. Bei Zähnen, die Wochen nach dieser Behandlung immer noch sehr tiefe Taschen haben, muss man über einen chirurgischen Eingriff nachdenken.

Aber danach ist die Parodontitis für den Patienten erledigt?
Nicht ganz. Nach einer Parodontitis-Behandlung ist es nicht wie z. B. nach einer Blinddarm-Operation: Parodontitis trifft vor allem Menschen, die empfindlich sind gegenüber den Bakterien, die Parodontitis verursachen. Die Erkrankung kann daher wieder auftreten. Die regelmäßige Nachsorge ist deshalb sehr wichtig, so lassen sich die eigenen Zähne und Implantate möglichst lange erhalten.

* Name auf Wunsch der Patientin geändert