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10. April 2012
Schwangerschaft – Risiko für die Zähne?
Tipps zur besonderen Situation von Mund und Zähnen in der Schwangerschaft

Dr. Goeke
Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn – solche Ammenmärchen halten sich bis heute. "Dahinter steckt die Angst", erklärt Dr. Volker Goeke aus Mesum, "der Mutter würden u. a. Kalzium und Phosphate entzogen, damit sich der kindliche Organismus optimal entwickeln könne." Angesichts dieser Befürchtung kann Goeke beruhigen: Was das Kind brauche, werde durch das tägliche gesunde Essen der Mutter gedeckt. Dennoch gebe es ein paar Dinge, auf die Schwangere bei der Zahnpflege achten sollten, denn der Speichelfluss werde in der Schwangerschaft zäher und mindere dadurch die Selbstreinigungskräfte.

Goeke ist Mitglied im Verein Rheiner implantologisch tätiger Zahnärzte (RiZ) und gerade deswegen würde er einer schwangeren Frau nie ein Implantat setzen. "Größere Eingriffe im Mund sollten auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden", rät Goeke, "eine Ausnahme ist ein Notfall, aus dem heraus etwa ein Zahn gezogen werden muss."

Zu Beginn der Schwangerschaft sei eine Basis-Untersuchung sinnvoll, um zu überprüfen, wie es um Zähne und Zahnfleisch stehe. "Laut Studien erhöht sich das Risiko für Frühgeburten durch Parodontitis, also Zahnbettentzündungen", erklärt Goeke. Deswegen sei es sinnvoll, dieses Risiko gleich zu Beginn auszuschließen und eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen.

"Durch die Hormonumstellung während der Schwangerschaft wird die Mundschleimhaut stärker durchblutet und das Gewebe lockert sich – da ist es normal, dass das Zahnfleisch leichter anfängt zu bluten, besonders in den ersten drei bis vier Monaten und kurz vor der Geburt", sagt Goeke. Die gründliche Mundraumpflege sei dennoch das A und O – trotz Zahnfleischbluten. Um den fünften Monat herum sei die Zeit günstig für kleinere zahnmedizinische Behandlungen, falls erforderlich, und weitere vorbeugende Maßnahmen.

Essen für zwei – ein weiterer Mythos zur Schwangerschaft, vor dem Goeke warnt: "Statt dem Heißhunger mit Süßigkeiten zu begegnen, sollte eine schwangere Frau viel Obst, Salat, Gemüse, Fisch, Milch- und Vollkornprodukte essen." Karies entsteht durch die Säure, die Bakterien aus Zucker gewinnen, und Zahnfleischentzündungen werden verursacht durch Zellgifte, die ebenfalls von den Bakterien hergestellt werden. Beim Erbrechen durch morgendliche Übelkeit attackiere die Magensäure die Zahn-Innenflächen. "Dann bitte nicht gleich mit der Zahnbürste über die angegriffenen Flächen reiben, sondern erst einmal mit einer Fluoridlösung spülen", rät Goeke. Außerdem sei es sinnvoll, eine Bürste mit einem kleinen Kopf zu verwenden, um beim Putzen keinen Würgereiz zu setzen.

Die Zahnpflege der Mutter ist auch nach der Geburt für das Kind wichtig: "Beim Füttern leckt die Mutter den Löffel ab – und schon wandern die Bakterien vom Mund der Mutter in den des Kindes", schildert Goeke eine alltägliche Situation. Auch nach der Schwangerschaft ist also eine gründliche Zahnpflege wichtig. Wer sicher gehen will, lässt vor der Entbindung die Konzentration karieserregender Keime im Mund testen und gegebenenfalls senken: Dafür lässt sich z. B. eine Chlorhexidinlösung nutzen ergänzt durch eine nochmalige Prophylaxe. "Das ist aber nur eine Empfehlung, kein Dogma", sagt Goeke. Insgesamt rät er zur Entspannung: "Eigentlich ist alles ganz einfach – und wenn Schwierigkeiten auftreten, ist der Zahnarzt ja auch noch da."