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15. Mai 2012
Angst vor dem Zahnarzt: Wenn nur noch der Schmerz stärker ist
Behutsam Ängste lösen, Schmerzen lindern und kaputte Zähne erneuern

Dr. Micheely, Dr. Doumat und Franz Weimer
Die Patientin betritt blass mit schweißnassen, zittrigen Händen das Behandlungszimmer, sie traut sich nicht, sich auf den Behandlungsstuhl zu setzen. Ihre Situation ist ihr sichtbar peinlich. Nur die unerträglichen Schmerzen ihrer noch verbliebenen Zahnruinen treiben sie in die Zahnarztpraxis: Über zehn Jahre sind vergangen seit ihrem letzten Zahnarztbesuch.

"Sicher ergeht es nicht jedem so extrem, aber viele gehen mit einem mulmigen Gefühl zum Zahnarzt und würden am liebsten vor der Eingangstür umdrehen und es lieber doch noch einmal mit Schmerzmitteln versuchen", weiß Zahnarzt Franz Weimer aus Erfahrung. Er ist Mitglied des Vereins Rheiner implantologisch tätiger Zahnärzte (RiZ) und hat öfter mit "Angstpatienten" zu tun.

"In vielen Fällen können Patienten gar nicht sagen, warum sich bei ihnen eine so große Angst aufbaut", sagt Weimer. Der Mund ist ein sehr intimer Bereich, der Ort für Küsse, für lebenserhaltende Nahrung – eine Untersuchung erfordert eine gute Portion Vertrauen.

Weimer kann Angstpatienten beruhigen: "Behandlungen sind in der Regel schmerzfrei", sagt er, macht ihnen aber auch nichts vor: "In Ausnahmefällen wirkt eine Betäubung nicht ganz so wie sonst – manchmal liegt es an der persönlichen Tagesform, in den meisten Fällen daran, dass der Patient viel zu lange gewartet hat.

"Ist ein Gewebe erst einmal stark entzündet, schirmt diese Entzündung das Betäubungsmittel genau da ab, wo es gerade so dringend gebraucht wird", erklärt Weimer. Ein Teufelskreis für Angstpatienten, denn sie warten meist zu lange und sammeln so eine schmerzhafte Behandlung nach der anderen. Hier geht Weimer behutsam vor: "Angstpatienten sollten nach der Schmerzbeseitigung viele kleinere Termine vereinbaren. Sie sammeln so Erfolgserlebnisse, und da die Termine näher beieinander liegen, baut sich die Angst nicht mehr meterhoch auf."

Doch woher nehmen Angstpatienten den Mut für den nächsten Termin? Die beste Freundin oder einen verständnisvollen Kumpel mitzunehmen schützt z. B. vor dem "Kneifen" und gibt Unterstützung. In extremen Situationen ist eine psychologische Begleit-Therapie hilfreich.

"Behandlungen in Narkose sind ein guter Anfang, um bedrohliche Situationen zu behandeln, können aber keine Regelversorgung sein", sagt Weimer. Seine ehemalige Angstpatientin stimmen Besuche in seiner Praxis noch immer nicht euphorisch, aber sie meistert inzwischen umfangreiche Zahnbehandlungen ohne Angstattacken und ohne Narkosen. Außerdem geht sie nun lieber zur Vorsorge, um Behandlungen gar nicht erst notwendig zu machen. Implantate haben ihre völlig zerstörte Zahnsubstanz ersetzt, sehen aus wie echte Zähne und verleihen ihr ein neues stolzes, selbstbewusstes Lächeln.